Erste Hilfe für Hunde – Was tun im Notfall?
Unfälle oder akute gesundheitliche Probleme können auch bei Hunden plötzlich auftreten. In solchen Situationen kann schnelles und richtiges Handeln entscheidend sein. Als Hundebesitzer ist es wichtig, sich mit grundlegenden Erste-Hilfe-Maßnahmen auszukennen, um den Vierbeiner im Ernstfall bis zum Eintreffen beim Tierarzt stabil zu halten. Im Folgenden wird erläutert, wie man in typischen Notfallsituationen richtig reagiert und welche Erste-Hilfe-Schritte bei gesundheitlichen Problemen notwendig sind.
Was ist ein Notfall?
Ein Notfall liegt vor, wenn lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Kreislauf oder Bewusstsein akut gestört sind oder sich der Zustand deines Hundes rasch verschlechtert.
Typische Anzeichen:
-
starke oder anhaltende Blutungen
-
Atemnot, Würgen, Erstickungsanzeichen
-
Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit
-
Kollaps, plötzliche Lähmung
-
Vergiftungsverdacht
-
schwere Verletzungen oder Verbrennungen
Wenn du unsicher bist, lieber einmal zu früh als zu spät handeln!
Erste Prioritäten im Notfall
1. Zuerst lebensbedrohliche Symptome behandeln
z.B.: starke Atemstörungen, Atemstillstand, Herzstillstand, Schock, starke Blutungen
2. Danach um nicht-lebensbedrohliche Erkrankungen / Verletzungen kümmern
z.B.: Knochenbrüche, tiefe Wunden
3. Als letztes den kleineren Verletzungen / Erkrankungen zuwenden
z.B.: Schürfwunden, kleine Schnittverletzungen
Den Hund im Notfall untersuchen
In einem Notfall ist es wichtig, zunächst die Vitalfunktionen des Hundes zu überprüfen, um den Schweregrad der Situation einzuschätzen.
1. Körpertemperatur
-
unter 37,5 °C --> Unterkühlung
-
37,5 °C - 39,2 °C -->Normbereich
-
ab 39,2 °C --> erhöhte Temperatur
-
über 40 °C --> Fieber
-
über 41 °C --> NOTFALL (Lebensgefahr)
Messung der Atemfrequenz
2. Atmung prüfen
-
Atemzüge werden durch die Bewegung der Rippen bzw. des Weitens und Hebens des Brustkorbes erkannt und hinter der letzten Rippe gezählt (siehe Pfeil)
-
normal: 10 - 30 Atemzüge pro Minute
-
deutlich schneller, flach oder pumpend --> kritisch!
-
über 40 Atemzüge pro Minute: Aufregung, Schmerz, Fieber

Messung der Pulsfrequenz
3. Puls messen
-
normal: 60 - 120 Schläge pro Minute
-
sehr schnell, schwach oder nicht tastbar --> Alarmzeichen!
-
mit den Fingerspitzen des Zeige- und Mittelfingers nach der Oberschenkelarterie suchen und Puls fühlen bzw. zählen
4. Schleimhäute & kapillare Füllungszeit
-
mit Fingerspitze kräftig auf das Zahnfleisch drücken, sodass durch die Verdrängung der Blutgefäße ein weißlicher Punkt entsteht
-
normal: weißlicher Punkt verschwindet sofort wieder ( ca. 1s)
-
Hinweis auf Schockgeschehen: weißlicher Punkt benötigt mehr als 3s um verschwunden zu sein

Messung der kapillare Füllungszeit

Messung des Spannungszustandes der Haut (Hautturgor)
5. Hautturgor (Flüssigkeitsstatus)
-
im Nackenbereich des Hundes wird eine Hautfalte hochgezogen und gleich darauf wieder losgelassen
-
normal: Hautfalte zieht sich sofort zurück
-
Dehydrierung: Hautfalte bleibt "stehen"


Messung der Kapillaren Füllungszeit
Messung des Spannungszustandes der Haut

Häufige Notfallsituationen
Die stabile Seitenlage beim Hund
- Der Hund wird für die stabile Seitenlage auf die rechte Körperhälfte gelegt. - Der Körper des Hundes sollte mit weichem Material unterlegt werden, sodass er höher liegt als der Kopf. - Das Maul wird untersucht, um evtl. Erbrochenes oder Fremdkörper zu entfernen und die Atemwege freizuhalten. - Vorder- und Hintergliedmaßen werden möglichst ausgestreckt. - Ist der Hund bewusstlos, sollte das Maul geöffnet und die Zunge herausgezogen werden.
Der Schockzustand beim Hund
Der Schockzustand ist eine lebensbedrohliche Störung des Kreislaufsystems, bei dem die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Anfangs reagiert der Körper automatisch auf einen Blutdruckabfall mit einer Blutgefäßverengung, um Gehirn, Lunge und Herz weiter ausreichend mit Blut / Sauerstoff zu versorgen. Je länger dieser Zustand jedoch anhält, desto geringer die Überlebensrate des Hundes. Ursachen: - Infektion - starke Blut- oder Flüssigkeitsverluste - Herzmuskelschäden - Überempfindlichkeitsreaktion - Reaktion auf Trauma, Angst oder Schmerz Symptome: - Apathie - Schwäche - Bewusstlosigkeit - taumelnder Gang - Zittern - kalte Gliedmaße - schwacher Puls - erhöhte Herzfrequenz - flache Atmung Behandlung eines Schockzustandes: 1. Ursache ermitteln (Verletzung, Insektenstich, etc.) 2. Hund in stabile Seitenlage bringen 3. Atemwege frei halten 4. Puls -und Atemfrequenz wiederholt messen und Maulschleimhäute einschätzen 5. Hund beruhigen und in einer Decke warmhalten 6. Tierarzt aufsuchen bzw. kommen lassen, denn der Hund benötigt schnelle Zufuhr von Flüssigkeit und anderen Medikamenten in die Blutbahn
Die Vergiftung beim Hund
Bei Verdacht auf eine Vergiftung des Hundes gilt es als erstes den Hund zu untersuchen. 1. Pulsfrequenz messen 2. Temperatur messen 3. Maulschleimhäute einschätzen 4. Vorhandene Reste des aufgenommenen Giftes aus dem Maul herausnehmen und diese Reste mit zum Tierarzt nehmen - auch wenn der Hund nur mit der Haut oder über die Atemwege Giftkontakt hatte! 5. Ermitteln was, wieviel & wann es gefressen wurde 6. Sofort zum Tierarzt! Häufigste chemische Gifte: - Ratten- und Maulwurfgift, Schneckenkorn, Putz-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Frostschutzmittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Mottengift, Bleichmittel, Lösungsmittel Pflanzen, die im Ganzen oder nur in Teilen giftig für Hunde sind: - Akelei, Buchsbaum, Clematis, Christrose - Efeu, Eibe, Eisenhut - Hortensie, Lupine, Mistel - Oleander, Rhododendron, Stechpalme
Wann sofort zum Tierarzt?
Zögere nicht und suche sofort tierärztliche Hilfe, wenn:
-
dein Hund bewusstlos ist
-
starke Blutungen vorliegen
-
Atemnot besteht
-
Krampfanfälle auftreten
-
ein Vergiftungsverdacht besteht
Inhalt der Erste-Hilfe-Box für zu Hause
-
Eine Rolle Heftpflaster (z.B.: Leukoplast)
-
Verbandsschere
-
Gebogene Schere mit (möglichst abgerundeten Enden
-
Pinzette
-
Zeckenzange
-
Mulltupfer (große und kleine)
-
Kompressen
-
Elastische Mullbinden (verschiedene Größen)
-
Fieberthermometer
-
Taschenlampe
-
Watte (z.B.: zum Polstern des Verbandes)
-
Antiseptische Salbe
-
Desinfektionsmittel für Hunde
-
Selbsthaftendes Wickelverbandsmaterial (verschiedene Größen)
-
Einmalhandschuhe
-
Desinfektionsmittel oder Tücher
